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DER REITER FORMT DAS PFERD.....

Dr.  Gerd Heuschmann plädiert in seinen Vorträgen für eine schonende Ausbildung junger Pferde und macht klar,  welche Schäden die professionelle "Auktionsreiterei", die auch bei Materialprüfungen, Championaten etc. üblich ist, bei den jungen Pferden anrichtet.  In der "Pferde Revue" vom Dez. 2004 wurde ein Interview mit Dr. Heuschmann abgedruckt. Das nahm ich zum Anlaß, meine Gedanken zu diesem Thema in Form eines Leserbriefes zu artikulieren. Der Leserbrief erschien in der Pferde Revue Jän./2005.

Als ich am Trakehner Hengstmarkt 2003 den Vortrag von Dr. Heuschmann hörte, ging mir so richtig „das Herz auf“. Endlich jemand, der wissenschaftlich fundiert aber doch keineswegs emotionslos für die schonende Ausbildung junger Pferde eintrat und dabei scheinbar das gesamte Publikum hinter sich einte. Sogar ein ehemaliger Richter, der anscheinend früher versucht hatte, ins gleiche Horn zu blasen, gab ihm Recht. Dabei sind es ja letztlich doch immer die Richter, die darüber entscheiden, welches Pferd vorne platziert wird, auch bei Materialprüfungen und Bundeschampionaten. Nun haben offenbar diese Richter (zumindest die große Mehrheit) in Deutschland keinen Weg daran vorbei gefunden, publikumswirksam strampelnde „Pferdevolksschüler“ an der Spitze zu platzieren. Mir fallen dabei drei mögliche Erklärungen ein, warum das wohl so ist: 1. Sie sind davon überzeugt, dass sich hinter den gezeigten Darbietungen auch die besten Materialpferde verbergen und wollen die falsche Ausbildung nicht in die Note einfließen lassen. 2. Sie sehen zwar, dass falsche Spannung zu exaltierten Bewegungen führt, glauben aber, dem „Publikumsgeschmack“ Rechnung tragen zu müssen und entscheiden so, wie vielleicht die Mehrheit des Laienpublikums auch entschieden hätte. Oder 3., was ich eigentlich nicht hoffe: Sie finden das gut, was aus 3jährigen „Pferdekindern“ herausgepresst wird und sehen darin auch gar keinen Nachteil.

Die „Basis“, d. h. breite Masse der Pferdefreunde aufzuklären ist ganz sicher gut und wichtig, aber kann es auf Dauer nützen, wenn die „oberste Instanz“ dann doch wieder denen die blaue Schleife zuteilt, die am geschicktesten und doch zu ihrem langfristigen Nachteil die jungen Pferde „auspressen“?

Österreich, das vielleicht mit Recht immer als reiterliches „Entwicklungsland“ im Vergleich zum großen Nachbarn Deutschland betrachtet wird, hätte die Chance, den „Rückstand“, den es sicher auf diesem Sektor hat so zu nützen, dass diese Fehlentwicklung unterbleibt, oder aber zumindest früher gebremst bzw. umgelenkt wird. Ein Materialrichter, der diesen Namen verdient, sollte so viel Stehvermögen und Charakter haben, dass er Entscheidungen, die auf den ersten Blick evl. unpopulär erscheinen auch verteidigen und vor allem begründen kann. Mehr Transparenz bei Materialprüfungen (=ausführliche Kommentare zu Vor- und Nachteilen jeder Darbietung) würden Teilnehmern, Zusehern und auch den Richtern selbst nützen. Dann würden mittel- und langfristig viele lernen, was gute Grundausbildung von schlechter unterscheidet.

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