gestuet-riegersburg.com

Deutsch

ÜBER UNS


Blog


Gelegentlich befällt mich das Bedürfnis, meine Gedanken zum Thema Pferdeerziehung (im weitesten Sinn) auf die Allgemeinheit loszulassen. Dann entsteht ein Artikel - im Netz ja Blog genannt. Wen diese meine Gedanken interessieren, dem steht es frei, sie zu lesen. Daraus mag jede/r seine/ihre Schlüsse ziehen.



RESPEKT & VERTRAUEN


Ansichten und Einsichten zum Thema Pferdeausbildung

Wann beginnt nun eigentlich die Ausbildung eines Pferdes? Beim Anlongieren? Beim ersten Aufsitzen? Beim ersten Halfter anziehen? Nein; die erste Begegnung des Pferdes (Fohlens) mit dem Menschen ist auch der Beginn seiner Ausbildung! Denn das Pferd kennt keinen Unterschied zwischen "jetzt will mir der Mensch etwas beibringen" und "jetzt ist der Mensch nur so da". Jede Interaktion zwischen Mensch und Pferd formt primär beide Partner, ein guter Ausbilder kann die Situation so steuern, dass sich das Pferd (am Ende) so verhält, wie es der Mensch wünscht.

Ein Beispiel: Das Fohlen soll lernen, die Füße zu heben und zu gestatten, dass der Mensch je einen kurz fest hält. Jedes Fohlen wird ein bisschen anders reagieren; das eine weicht vielleicht ängstlich zur Seite und zuckt weg, das andere hält den Menschen für einen Spielgefährten und versucht seinerseits, in dessen Beine zu zwicken (typisches Hengstspielchen). Beide müssen nun lernen, dass erstens keine Gefahr droht (beruhigende Stimme, kraulen), aber auch, dass Widerstand (aktiv oder passiv) nichts nützt. 

Das junge Pferd lernt nun entweder: wenn ich lange genug herum hüpfe und ein bißchen ausschlage, kann ich den lästigen Menschen, der es auf meine heiligen Beinchen abgesehen hat, vertreiben. (Diese erste Erfahrung ist zwar nicht unauslöschlich aber ungleich schwieriger zu "reparieren" als ein (wenn auch kleiner) Erfolg im Sinne des Menschen =)
oder: wenn mich der Mensch an Halfter und Strick hält, dann kann ich ihm nicht entkommen und er läßt mich wieder los, sobald ich die Beine gehoben habe; vor allem aber spricht er freundlich zu mir und krault mich (Belohnung!!!), wenn ich ruhig bleibe und mit mache.

Die ersten Lebensjahre eines Pferdes sind bezüglich seiner Persönlichkeitsentwicklung die entscheidenden. Das heisst, dass sich am Anfang alles (ALLES - DAS POSITIVE   WIE  DAS   NEGATIVE!!!) am stärksten einprägt und das Pferd formt. Deshalb gibt es Fachleute, die raten, den Absetzer bis zum Anreiten beinahe völlig "in Ruhe zu lassen", da die Fehler, die in dieser Zeit gemacht werden, nur sehr sehr schwer wieder gut  zu machen sind. (Ein wild gefangener, erwachsener Mustang wird daher bei richtiger Schulung eher zum verläßlichen Partner als ein verzogenes, verhätscheltes Fohlen, das vielleicht auch noch mit der Flasche aufgezogen wurde.)

Unabhängig vom Alter des Pferdes sind die Schlüsselwörter erfolgreicher Pferdeausbildung : Respekt und Vertrauen. Ich behaupte sogar, dass das eine ohne das andere im positiven Mensch-Pferd Verhältnis  gar nicht möglich ist. Respekt ohne Vertrauen wäre Furcht und Furcht verhindert bekanntlich das Lernen. Vertrauen aber kann ein Pferd von seiner Natur her nur einem ranghöheren Wesen, welches es also respektieren muss. Nur ein Pferd, das vertrauen kann, wird auch in kritischen, angstmachenden Situationen "die Nerven bewahren", da es ja weiss, dass der Mensch (als Leittier) die Sache im Griff hat. Das Problem ist, dass zwar jedes Pferd eine gewisse Grundeinstellung den Menschen gegenüber hat, das Maß an Respekt und Vertrauen ist jedoch sehr individuell auf den einzelnen abgestimmt.

Daher ist auch jede Korrektur/Ausbildung  eines "Problempferdes" nur so viel Wert wie sich der Besitzer ebenfalls um eine Verbesserung seiner eigenen Fähigkeiten bemüht. Auch gäbe es viel weniger schwierige Pferde, wenn sich mehr Leute eingestehen würden, dass es Fachleute gibt, die die Grundausbildung ihres Pferdes besser (und meist auch schneller) vollziehen können. Auf diesem Gebiet ist leider gerne "jeder sein eigener Guru".

ZURÜCK NACH OBEN


MEIN  PFERD  KOMMT  IN  DIE  SCHULE

Die Grundvoraussetzungen

Alter
Über den idealen Zeitpunkt des "Schuleintritts" eines Pferdes entscheiden seine körperlichen sowie geistig-psychischen Voraussetzungen. Dieser Moment ist naturgemäß bei jedem Individuum in einem anderen Alter. Dies ist einerseits rassebedingt - ein 2-jähriger Kaltblüter kann schon ans Geschirr gewöhnt und mit leichtem Zug vertraut gemacht werden, während ein Isländer erst mit 5 angeritten werden sollte - andererseits bei jedem einzelnen Pferd verschieden.
Verständlicherweise trachtet der Züchter danach, seine Jungpferde möglichst früh ausbilden zu lassen, da für ein angerittenes Pferd ein wesentlich höherer Preis zu erzielen ist bzw.  nicht gerittene Pferde sehr schwer zu verkaufen sind. Daher hat sich der Zeitpunkt wo üblicherweise die Ausbildung begonnen wird, sehr weit nach vorne verschoben.  War es früher üblich, erst mit 4 1/2 bis 5 Jahren mit dem Anreiten zu beginnen, so lernen heute fast alle Pferde bereits mit 3 Jahren den Reiter kennen.  Junghengste teilweise noch früher.

Aus persönlicher Erfahrung behaupte ich, dass man dem Jungpferd tunlichst bis 3 1/2 Zeit lassen sollte, dann ist auch die Gefahr von Schäden durch zu frühe Belastung geringer. Im Zweifelsfall zieht man den Tierarzt zu Rate, der am Zustand der Wachstumsfugen erkennt, wie weit das Skelett des Tieres gefestigt ist.

Zähne
Genau wie Schulkinder wechseln auch junge Pferde vom Milchgebiß zu dem bleibenden Zähnen, die Schneidezähne meist zwischen 2 1/2 und 3 1/2  Jahren. In dieser Phase sind sie oft besonders empfindlich im Maul , fressen manchmal schlechter etc.
Besondere Beachtung sollten jedoch die sogenannten Wolfszähne finden: Dies sind kleine Relikte aus der Stammesgeschichte des Pferdes, die nur hin und wieder bei manchen Pferden auftreten. Die kleinen spitzen Zähnchen sitzen meist im Oberkiefer vor den Backenzähnen, also in dem Bereich, wo auch das Gebiß "zu Hause" ist. Da sie nicht im Kiefer verwurzelt sind, sondern nur locker im Zahnfleisch stecken, bewegen sie sich bei Berührung durch die Trense hin und her und bohren quasi mit ihrem Hinterende im Fleisch herum. Dass das sehr sehr unangenehm ist, kann sich sicher jeder  vorstellen.
Deshalb: Suchen Sie vor Beginn der Ausbildung nach diesen Störenfrieden oder lassen Sie ihren Tierarzt nachschauen. Das Entfernen  ist jedenfalls völlig unaufwendig und man spart dem Pferd unnötige Qualen.

Ausrüstung
Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, dass der erste Sattel ohnehin nicht passen muß,  ist es ganz im Gegenteil sogar sehr wichtig, dass bei der ersten Belastung kein ungünstiger Druck auf den Rücken ausgeübt wird. Wenn Sie also Ihr Pferd in die Schule schicken,  geben Sie ihm  einen möglichst gut passenden Sattel mit. ABER: Kaufen Sie auf keinen Falle einen nagelneuen Sattel, der dem rohen Pferd perfekt passt!!! Im günstigsten Fall kann man ihn nachpolstern lassen, wenn sich, nach einigen Wochen, spätestens Monaten, der Rücken durch das Training verändert hat, im schlechtesten Fall müssen Sie ihn verlustreich verkaufen. Haben Sie  keinen Sattel "vorrätig", der dem jungen Pferd in etwa paßt, kaufen Sie lieber einen gebrauchten (Dressur oder Vielseitigkeit ohne Wadenpausche).  So haben Sie beim Wiederverkauf weniger oder im Glücksfall gar keinen Verlust. Zwei Satteldecken sind das Minimum zum Wechseln, eine polsternde Unterlage (Schaumgummi, Lammfell o. ä.) ist anfangs sicher angenehm für das Pferd.

Das günstigste Zaumzeug ist für den Anfang  jenes mit kombiniertem Reithalfter, ich persönlich bevorzuge Gurtzügel. Die Trense muß der Maulbreite angepaßt sein, messen kann man am einfachsten mit einem Strohschnürl o. ä.

Trägt Ihr Pferd Eisen, sollte man die Beine mit Gamaschen schützen, wenn nicht, kommt es darauf an, ob es sich beim Longieren selbst anschlägt.

Vergessen Sie auch nicht, dass im Sommer ein Fliegenschutzmittel und in der kühlen Saison eine Abschwitzdecke nötig sind.

Vorbildung
Wenn sich Ihr Pferd führen und anbinden  läßt und die Hufe willig gibt, bin ich für's Erste schon zufrieden. Alles andere lernt es in der Pferdeschule  meist ohne großen Aufwand. Falls Sie glauben, Sie müßten Ihren Schützling daheim noch etwas "vorbereiten" beachten Sie bitte: Fehler, die am Anfang der Ausbildung gemacht werden, wiegen doppelt schwer! Wenn Sie sich also nicht huntertprozentig sicher sind, dass Sie Ihrem Pferd gewachsen sind, lassen Sie es lieber bleiben.  Ein Pferd, das einmal mit Widerstand Erfolg hatte, wird es wahrscheinlich immer wieder versuchen. Das verzögert die Ausbildung unnötig und kann der Grund für Machtkämpfe mit dem Ausbilder sein, die andernfalls nie stattgefunden hätten.

ZURÜCK NACH OBEN


VERLADEPROBLEME


Glücklich der Pferdebesitzer, dessen Schützling nie die Frage stellt: " Ist das  dein Ernst? DA soll ich einsteigen???"

Wenn man sich in die Lage des Pferdes verstetzt, dann wundert man sich oft, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Exemplare   so ein wackeliges Gefährt von Pferdeanhänger betreten. Sie wissen, dass sie nun längere Zeit in dieser Sardinenbüchse - ohne festen Boden unter den Füßen - verbringen müssen, um dann höchstwahrscheinlich an einem völlig fremden Ort auszusteigen, fern von vertrauten Kollegen und dem eigenen Stall. Ganz zu schweigen von den Freuden des Straßenverkehrs in Form von LKWs, Tunnels u.s.w.

Wenn man manchen Leuten beim Verladen zusieht hat man den Eindruck, dass sie sich allzusehr in diese unerfreuliche Aussicht ihres Pferdes hineindenken und das Tier beinahe am Einsteigen hindern! Zumindest ist es offen, ob die Angst, das Vieh könne  schon wieder nicht einsteigen größer ist, als jene, dass das arme Schatzilein nun dann so alleine in dem wackeligen Anhänger stehen wird.

Hier haben wir eine Situation, in der der Mensch seine Emotionen besser ausklammert, dann stellt sich der Erfolg früher oder später sicher ein.

Merke: Dein Pferd verarscht dich nicht, da würden wir es intellektuell überschätzen!!!

Wohl aber steht es - wenn es zu jenen gehört, die die Eingangsfrage regelmäßig stellen - im Widerstreit seiner eigenen Gefühle: Angst versus Gehorsamswillen

Was also tun, damit unser Pferd nie daran zweifelt, dass Anhängerfahren völlig harmlos und ungefährlich ist?

Fangen wir am Anfgang an: Die Mutterstute hat idealerweise keine Angst und geht ganz selbstverständlich auf den Hänger. Dann gelingt es uns meist relativ leicht, das Fohlen nachzuschieben. Schließlich will es vor allem bei Mama sein, egal wo die gerade ist. Um Verletzungen zu vermeiden muß die Rampe UNTER   ALLLEN  UMSTÄNDEN  griffig sein, sonst kommt das junge Pferd vielleicht mit Abschürfungen zur Fohlenschau (oder zum Hengst) und hat auch schon die erste negative Erfahrung gemacht. Auch im Inneren darf der Boden nicht rutschig sein, sonst wird es für die Pferde extrem schwer, in Notsituationen sogar unmöglich, aufrecht stehen zu bleiben!!!

Genauso wichtig wie diese Sicherheitsmerkmale aber ist der Fahrstil! Grundsatz: Lieber einmal zu langsam als einmal zu schnell! Vor allem Kurven müssen extrem vorsichtig genommen werden und möglichst ohne vorher viel bremsen zu müssen. Das gilt übrigens generll: Je weniger man das Bremspedal benötigt (vorausschauend fahren und lange ausrollen lassen), desto angenehmer für das Pferd.

Soweit so gut. Gehen wir aber davon aus, dass das Pferd irgend eine schlechte Erfahrung im Zusammenhang mit dem Transport gemacht hat, oder  sich einfach einmal fragt "Was habe ich eingentlich davon, hier einzusteigen?". Wenn man viel Zeit hat (die man sich auch nehmen muß, wenn man ein problematisches Pferd auf Dauer umlernen will), sollte man vorest an der Respekt-Vertrauens-Basis arbeiten.

Aber auch die Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle. Ich kann ein widerstrebendes Pferd mit einem weich gepolsterten Halfter, das geradezu zum dagegen ziehen  einladet,  nun einmal schwer beeinflussen.  Lieber nehme ich also ein Knotenhalfter, welches durch die Dünne der Schnüre relativ scharf einwirkt, vor allem auf das Genick des Pferdes. Außerdem verwende ich ein reißfestes langes Seil. Zum Üben ist es auch sehr von Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, die Rampe beidseitig einzurahmen, sodaß zum vorbei Gehen gar keine Möglichkeit besteht. Wir verwenden dazu flexible Stahlrohrpaneele. Vorne hängt evl. ein Heunetz, ein Haferkübel sollte auch bereitstehen.

Wir nähern uns also der Hängerrampe. Vielleicht geht das Pferd nun näher heran als üblich, vielleicht macht es aber - wie immer - mit geblähten Nüstern einen Kragen und versteift den ganzen Körper.

Fehler Nr.1: Jetzt das Pferd loben!
Wie oft sieht man Besitzer, die angesichts ihrer Pferdestatue in schmeichelnde Braaaav-Hymnen ausbrechen. Aber wollen sie wirklich belohnen, dass das Pferd vor dem Hänger stehen bleibt???

Aber was tun? Erst einmal abwarten. Das Pferd soll Gelegenheit haben zu sehen, dass der Anhänger nicht das Maul eines Riesenraubtieres ist, das es  gleich fressen wird. Wir stehen also erst einmal cool da und sagen nichts. Legt das Pferd aber den Rückwärtsgang ein, machen wir sofort Druck auf das Halfter, d. h. ziehen mit aller Kraft dagegen (HANDSCHUHE  NICHT VERGESSEN!). Aber nur so lange, bis das Pferd zumindest stehen bleibt. Nun lassen wir uns etwas weniger Zeit zum pausieren und gehen wieder forsch Richtung Hänger. Folgt das Pferd, soll kein Druck am Halfter sein. Wenn nicht, ziehen wir etwas fester.  Will es partout nicht von der Stelle weichen,  kann man es oft durch abwenden (nach rechts drücken) in Bewegung bringen. Früher oder später merkt jedes Pferd, dass der Widerstand (stop oder rückwärts) wegen des Druckes im Genick recht unangenehm ist, das Mitgehen hingegen tut eigentlich gar nicht weh.

WICHTIG: Es kommt hier auf das präzise Timing des Menschen an! Beim Nachgeben des Pferdes nach vorwärts muß der Druck SOFORT weg sein, zurückziehen darf niemals ohne Widerstand erlaubt werden. Nur dann lernt das Pferd: vor = gut und zurück = schlecht.

Ist das Pferd nun immerhin vor der Rampe angelangt, kann man versuchen, ein oder beide Vorderbeine hinauf zu stellen. Oft überwinden Pferde dann ihre Angst wenn sie spüren, dass der Boden zwar schief, aber doch fest ist. Wenn das Pferd  nun im Bereich der Rampe ist, gehe ich gerne selbst ganz hinein, auch um zu demonstrieren, dass es tatsächlich ungefährlich ist. Wenn das Seil lang genug ist, kann man es nun vorne ein Mal z. B. um die Bruststange legen,  man hat dann beim Gegenhalten mehr Kraft. Der Hänger muß dafür natürlich stabil konstruiert sein, aber sonst ist ja auch der Transport gefährlich.  Mit sanftem Druck  fordere ich das Pferd nun auf, weiter hinein zu gehen.  Mit jedem Schritt nach vorne verkürze ich das Führseil, allerdings nur so viel, dass kein Druck entsteht, solange das Pferd geht. Irgendwann kommt dann der Moment, wo das Pferd doch wieder hinaus will. Jetzt heißt es  festhalten! Ich verhindere zwar nicht, dass das Pferd rückwärts geht (AUF KEINEN FALL DAS PFERD JETZT SCHON ANBINDEN!), aber es muß ganz schön ziehen. Erst wenn es stehen bleibt, läßt der Druck wieder nach. Nach wenigen solcher Erlebnisse kommen die meisten Pferd zu dem Schluß, dass rückwärts aus dem Hänger zu flüchten eigentlich das Unangenehmste bei der Sache ist.  Gewonnen hat man (für heute), wenn sich das Pferd sogar vom Belohnungsfutter fressen traut, sobald es einmal ganz drinnen ist.

Die besten Erfolge hat man, wenn man so jeden Tag oder mindestens jeden zweiten Tag üben kann.  Nach einer Woche sollte auch das Pferd die Sache als "Jausnen gehen" betrachten, schließlich gibt's (VORNE) im Hänger immer Futter!

ZURÜCK NACH OBEN


DIE SACHE MIT DEN "GURUS"

Unterschiede und Gemeinsamkeiten neuzeitlicher "Pferdeflüsterer"

Bis zur Erfindung und Verbreitung des Autos waren viele Jahrhunderte lang die Pferde das Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Es gab daher sehr viele und viele Menschen waren daher auch mit ihrem Umgang vertraut. Ohne Zweifel gab es auch damals gute und schlechte Pferdeausbilder und "Pferdeflüsterer" (der Begriff stammt lt. Peter Spohr - Die Logik in der Reitkunst, Olms 1998 - vom Anfang des 19. Jh.) waren beileibe keine "Waserln" sondern geschickte "Dompteure", die ihre Tricks gut verkaufen konnten aber möglichst nicht Preis gaben.

Nachdem sich die Aufgabe der Pferde vom Zug-, Arbeits- und Militärpferd zum Sport- und Freizeitpartner gewandelt hatte nahm einerseits das Wissen um den richtigen Umgang mit Pferden ab (der  Reitunterricht beginnt heutzutage leider meist mit dem Aufsitzen auf das fertig gesattelte Pferd), andererseits stieg das Bedürfnis, mit dem Partner Pferd besser zu kommunizieren. So fiel das erste Buch, die erste Methode, die einen neuen Umgang mit dem Pferd propagierte, auf fruchtbaren Boden.

Linda Tellington-Jones erfand die TEAM-Methode (heute TTEAM =Tellington Touch Equine Awareness Method), die einerseits durch die sogenannte "Körperarbeit" (ungewohnte Berührungen des Pferdes, die neue Nervenbahnen aktivieren sollen), andererseits durch Bodenarbeit über verschiedene Hindernisse für Mensch und Pferd eine neue Kommunikationsbasis schaffen sollte. Der Nutzen dieser Arbeit ist sowohl für das Freizeitpferd als auch für den Olympiacrack erwiesen. (Merke: Mit Führkette und Gerte fordert der Mensch Respekt, mit angenehmen Berührungen schafft er Vertrauen). Das "Zeitalter der Pferdegurus" war also eingeläutet.

Einige Jahre später erschien ein Buch, das sofort ziemlich viel Aufsehen erregte: "Mit Pferden tanzen" von K.-F. Hempfling. Waren die einen fasziniert von der Möglichkeit, ein Pferd mit Körpersprache zu lenken, lehnten die anderen den Berufsjournalisten, der - so die Kritiker - erst seit kurzem mit Pferden zu tun hatte und daher nicht qualifiziert sei, klassische Methoden in Frage zu stellen, ab. Wie auch schon Linda Tellington-Johnes betont Hempfling die Bedeutung des Führens des Pferdes vom Boden aus als ersten und sehr wichtigen Schritt in der Mensch-Pferd Beziehung. Ausgehend vom Herdenverhalten des Pferdes definiert er Sinn und Wirkung verschiedener Führpositionen (vor, neben, hinter dem Pferd) und beschreibt die Arbeit im Picadero (ein ca. 11 x 11 m² großer Raum) mit und  ohne Führleine. In weiterer Folge spannt er eine Brücke von der Körperhaltung und Zeichengebung des Menschen am Boden zum Verhalten im Sattel (z. B. Becken kippen bei  Übergängen abwärts). Auch durcht dieses Buch ziehen sich die 2 Begriffe Dominanz ~ Respekt einerseits und Vertrauen andererseits.

Schließlich witterten auch amerikanische Pferdetrainer den Kuchen und einer der ersten, die  mit einem "alternativen Trainingssystem" in Buchform aufwartete war Pat Parelli. Sein "Natural Horse-man-ship" ist wieder ein Ausbildungssystem, das vom Boden aus beginnt. Mit Knotenhalfter (durch die relativ dünne Schnur ist eine deutlichere/schärfere Einwirkung möglich), verschiedenen Stricken bzw. Longen und einer Art Peitsche verschafft sich der Mensch Respekt. Das Vertrauen soll sich vor allem dadurch einstellen, dass sich der Mensch  nicht wie ein Jäger benimmt, sondern eher wie ein ranghöheres Pferd. Ein Stufenplan von Fertigkeiten bezieht sich  nicht auf das Pferd, sondern auf das Können des Menschen.

Und last but not least kam Monty Roberts mit seinem "Join Up" über den grossen Teich. Er beginnt die Zwiesprache mit dem Pferd in einem beschränkten Raum, idealerweise in einem Longierzirkel. Mit Körpersignalen soll dem Pferd bedeutet werden, dass es weichen/flüchten soll, einzige Unterstützung ist eine Longe, die nach dem Pferd geworfen wird, um es weiter zu treiben. Die aggresiv-dominante Körperhaltung wir so lange beibehalten, bis das Tier seinerseits Zeichen gibt, dass es die Autorität des jeweiligen Menschen anerkennt (Respekt). Der Mensch wendet sich nun ab, meidet jeden Blickkontakt und "lädt das Pferd ein", näher zu kommen. Im Idealfall macht das Pferd ein paar Schritte Richtung Ausbilder und folgt ihm anschließend ohne Führstrick (Vertrauen). Mittlerweile gibt es auch von Monty Roberts ein spezielles Halfter für besondere Fälle, das mehr Druck auf das (widerstrebende) Pferd ausübt.

Die Liste der Pferdeflüsterer ließe sich noch fast beliebig verlängern und jede/r  andere hätte wahrscheinlich einen neuen, interessanten Aspekt in ihrer/seiner Methode. Die Quintessenz aller Methoden bliebe aber wahrscheinlich trotzdem gleich:

    * Basis jeder Beziehung - in diesem Fall Mensch+Pferd - ist (gegenseitiger) Respekt. Um die Dinge von einem Pferd verlangen zu können, weshalb man sich ein Pferd überhaupt hält (v. a. Reiten) ist es notwendig, dass der Mensch die ranghöhere Position einnimmt und auch hält. Alle Methoden schaffen (und überprüfen) diesen Respekt vom Boden aus, indem sie vom Pferd verlangen, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Zur Verdeutlichung bzw. zur Durchsetzung wird in irgendeiner Form Druck auf den Pferdekopf ausgeübt (Führkette, Knotenhalfter, Dually-Halfter,...).

    * Wenn das Pferd Vertrauen hat, dann kann es keine Angst vor dem Menschen haben. Daher ist Vertrauen quasi der Beweis für echten Respekt (ohne Angst). Respektlosigkeit in jeder Form beweist, dass sich das Pferd als ranghöher einstuft oder zumindest die Rangfolge in Frage stellt. Es muß deshalb nicht dem Menschen mißtrauen, ein Vertrauen im Sinne von sicherer Folgsamkeit auch in kritischen Situationen ist aber so sicher nicht gegeben.

    * Der Mensch hat die Verantwortung für die Gestaltung der Mensch-Pferd-Beziehung! Er muß sich daher um deren Verbesserung bemühen und vor allem an sich selbst arbeiten!

ZURÜCK NACH OBEN


DER REITER FORMT DAS PFERD.....


Dr.  Gerd Heuschmann plädiert in seinen Vorträgen für eine schonende Ausbildung junger Pferde und macht klar,  welche Schäden die professionelle "Auktionsreiterei", die auch bei Materialprüfungen, Championaten etc. üblich ist, bei den jungen Pferden anrichtet.  In der "Pferde Revue" vom Dez. 2004 wurde ein Interview mit Dr. Heuschmann abgedruckt. Das nahm ich zum Anlaß, meine Gedanken zu diesem Thema in Form eines Leserbriefes zu artikulieren. Der Leserbrief erschien in der Pferde Revue Jän./2005.

Als ich am Trakehner Hengstmarkt 2003 den Vortrag von Dr. Heuschmann hörte, ging mir so richtig „das Herz auf“. Endlich jemand, der wissenschaftlich fundiert aber doch keineswegs emotionslos für die schonende Ausbildung junger Pferde eintrat und dabei scheinbar das gesamte Publikum hinter sich einte. Sogar ein ehemaliger Richter, der anscheinend früher versucht hatte, ins gleiche Horn zu blasen, gab ihm Recht. Dabei sind es ja letztlich doch immer die Richter, die darüber entscheiden, welches Pferd vorne platziert wird, auch bei Materialprüfungen und Bundeschampionaten. Nun haben offenbar diese Richter (zumindest die große Mehrheit) in Deutschland keinen Weg daran vorbei gefunden, publikumswirksam strampelnde „Pferdevolksschüler“ an der Spitze zu platzieren. Mir fallen dabei drei mögliche Erklärungen ein, warum das wohl so ist: 1. Sie sind davon überzeugt, dass sich hinter den gezeigten Darbietungen auch die besten Materialpferde verbergen und wollen die falsche Ausbildung nicht in die Note einfließen lassen. 2. Sie sehen zwar, dass falsche Spannung zu exaltierten Bewegungen führt, glauben aber, dem „Publikumsgeschmack“ Rechnung tragen zu müssen und entscheiden so, wie vielleicht die Mehrheit des Laienpublikums auch entschieden hätte. Oder 3., was ich eigentlich nicht hoffe: Sie finden das gut, was aus 3jährigen „Pferdekindern“ herausgepresst wird und sehen darin auch gar keinen Nachteil.

Die „Basis“, d. h. breite Masse der Pferdefreunde aufzuklären ist ganz sicher gut und wichtig, aber kann es auf Dauer nützen, wenn die „oberste Instanz“ dann doch wieder denen die blaue Schleife zuteilt, die am geschicktesten und doch zu ihrem langfristigen Nachteil die jungen Pferde „auspressen“?

Österreich, das vielleicht mit Recht immer als reiterliches „Entwicklungsland“ im Vergleich zum großen Nachbarn Deutschland betrachtet wird, hätte die Chance, den „Rückstand“, den es sicher auf diesem Sektor hat so zu nützen, dass diese Fehlentwicklung unterbleibt, oder aber zumindest früher gebremst bzw. umgelenkt wird. Ein Materialrichter, der diesen Namen verdient, sollte so viel Stehvermögen und Charakter haben, dass er Entscheidungen, die auf den ersten Blick evl. unpopulär erscheinen auch verteidigen und vor allem begründen kann. Mehr Transparenz bei Materialprüfungen (=ausführliche Kommentare zu Vor- und Nachteilen jeder Darbietung) würden Teilnehmern, Zusehern und auch den Richtern selbst nützen. Dann würden mittel- und langfristig viele lernen, was gute Grundausbildung von schlechter unterscheidet.

ZURÜCK NACH OBEN

Gestüt Pferdeschule Riegersburg · DI Elisabeth & Bernhard Wimmer · Altenmarkt 21 · 8333 Riegersburg · AUSTRIA
Tel: +43 3153 7384 · email: info@gestuet-riegersburg.com